Löslichkeit der Salze

Wenn sich Kristallgitter auflösen

Salze treten nicht nur kristallin auf, ein Großteil von ihnen lässt sich auch auflösen. Dazu bedarf es allerdings des richtigen Lösungsmittels. Dabei gilt der Grundsatz: „Gleiches löst sich im Gleichen“. Schon im Alltag begegnet uns dieses Phänomen. Jeder, der einmal ein Salatdressing zubereitet hat, weiss, dass sich das wasserliebende (hydrophile) Kochsalz nicht im fettliebenden (lipophilen) Speiseöl lösen lässt. In Wasser jedoch ist das Natriumchlorid mit immerhin 380 Gramm pro Liter gut löslich.

Dabei werden die Ionen im Kristallgitter des Salzes von Wassermolekülen umhüllt. Die entstehende „Wasserhülle“ sorgt dafür, dass der Zusammenhalt zwischen den Ionen verloren geht; sie werden vereinzelt und frei beweglich, das Salz löst sich auf. Der Prozess ist sogar umkehrbar. Würde man das Wasser nun verdampfen, verlören die Ionen wieder ihre Wassermoleküle und kristallisierten aus. Ein Vorgang, der auch beim Schwitzen passiert: Die im Schweiß gelösten Mineralsalze bleiben, nachdem der wäßrige Anteil verdunstet ist, auf der Haut zurück. Auf diese Weise verliert der Körper nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Mineralstoffe - durchschnittlich pro Liter Schweiß etwa 1.200 Milligramm Natrium, 1.000 Milligramm Chlorid, 300 Milligramm Kalium und 36 Milligramm Magnesium!

Ein Ion verlässt seine Verbindung

Wenn sich Salze auflösen, verlieren die Einzelionen ihre ursprüngliche Salz-Identität. Die Lösung ist zwar weiterhin beispielsweise eine Magnesiumcitrat-Lösung, doch ein isoliertes Magnesium-Ion ‚weiss’ nicht mehr, dass es einmal ein organisches Salz und das Gegenion ein Citrat war. Dieser Effekt hat in unserem Körper auf zellulärer Ebene große Bedeutung. Schließlich trennen Zellen häufig ganz gezielt die jeweiligen Ionen voneinander. Dabei stehen ihnen ein ganzes Arsenal molekularen Transporter, Kanäle und Speichersysteme zur Verfügung. Und so wie man beim Anblick eines Sockenfaches nicht mehr feststellen kann, ob die Strümpfe einst zusammen mit einem Pullover oder einer Hose gekauft wurden, so sind auch die Magnesiumionen im Darm nur noch reine Magnesiumionen - und eben keine Abkömmlinge eines anorganischen oder organischen Salzes mehr.